Ein Elefant namens Covid-19

Am 2. April habe ich in einem Post die Geschichte der blinden Gelehrten und dem Elefanten erzählt. Jeder, der ihn an einer anderen Stelle berührt hat, beschreibt ihn anders und kommt zu einem anderen Schluss über ihn. Jetzt lass uns vorstellen, dass Covid-19 und die daraus entstandene Krise, ein Elefant sei.

  • „Die einen sehen die gewaltigen Stosszähne und halten den Virus für hoch gefährlich - ein echter Killervirus also.
  • Andere betrachten den Luft heraus blasenden Rüssel und wagen sich nicht ohne Maske das Haus zu verlassen und sind sehr froh, dass auch andere nicht frei husten dürfen.
  • Wer sich mit der dicken Haut beschäftigt, hält sich für geschützt und ist sich sicher ein gutes Abwehrsystem zu haben.
  • Andere betrachten das Hinterteil mit dem plötzlich ausschlagenden Schwanz und haben Angst vor dieser grossen Unsicherheit und erwarten jeden Augenblick, dass das Schicksal „ zuschlägt“ ( und finden, dass sowieso nur Scheisse dabei heraus kommt).
  • Wer auf die riesigen, schweren Füsse schaut, sieht, dass auf dem Boden bald nichts mehr wachsen wird - die ganze Wirtschaft zu Tode getrampelt.
  • So manch einer verbindet sich mit den riesigen Ohren und verpasst keine Information, immer auf der Suche noch mehr zu hören, vielleicht in der Hoffnung über Wissen die Kontrolle zu behalten.
  • Und selbstverständlich gibt es auch Menschen, die dem Elefanten tief in seine schönen Augen schauen und dort Liebe, Sinn und Wandel sehen.

Die (vermeintlich) wichtigste Frage, wer Recht hat, ist - siehe Elefant - nicht zu beantworten. Die Frage, die zählt, ist eher: Wie kommt es dazu, dass wir so unterschiedliche Perspektiven einnehmen?

Sobald etwas Unbekanntes von aussen auf uns zu kommt, gleichen wir es ab mit dem, in uns schon vorhandenem, gespeichertem Wissen. Jeder Mensch reagiert also erst einmal nicht neutral und objektiv, sondern auf Grund seiner Geschichte, seinen Erfahrungen, seiner Erziehung. Sein vorhandener Wissensstand, sein Grundwesen bestimmen massgeblich das, was er sieht (sehen kann).

Wirklich neutral und förderlich wäre: Es handelt sich um einen Elefanten, mal sehen, was es für einer ist und was er vorhat. Die Botschaft ist, dass nur neutrales Beobachten ohne subjektiv verfärbte Gefühle wie Angst, Sicherheitsbestreben und Besserwisserei etc., die Chance zur Freiheit beinhaltet (dieses neutrale „sehen“ ist enorm schwierig, Anm. LuNa).

Natürlich braucht es Menschen, die Mut haben sich zu positionieren und die damit einen Gegenpol bilden zur allgemeinen aus Angst entstehenden Unterwürfigkeit. Aber es braucht gleichzeitig die Bereitschaft sich wieder zu öffnen.

Was es sicher nicht braucht, ist eine Spaltung, eine unverrückbare Meinung, und gegenseitige Verurteilung. Versteckt im Widerstand wütet oft auch eine unbewusste Angst, die ein anderes Ventil findet, um die Kontrolle zu behalten.

So gross ist der Unterschied bei genauem Hinsehen nicht. Der eine versteckt sich, indem er die Verantwortung an die Machthaber abgibt, der ( scheinbar ) andere sucht sich einen Feind im Aussen, auf den er seine Furcht vor Ohnmacht projiziert.

Wir leben in einer besonderen Zeit, eine Zeit, in der das Paradigma der Trennung aufgehoben werden sollte. Aber statt uns zu besinnen, dass unsere Seelen in der Tiefe eins sind, geht eine extreme Spaltung durch die Bevölkerung.

Vielleicht muss es so sein, damit wir aufwachen - ich hoffe es.

Denn ich glaube fest daran, dass wir Menschen aus der Krise heraus einen neuen, verbundenen Weg gehen werden.“ (Text von Ingrid Zinnel)

 

Zwischen Reiz und Rekation gibt es einen Raum.

Nur dort kann Begegnung stattfinden.

Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum.

Nur dort findet Heilung und Entwicklung statt.

Zwischen richtig und falsch gibt es einen Ort. Dort werden wir uns begegnen.
(Rumi)

 

Zurück

Themen