Beobachten, denken, fragen...

Es ist wieder einer dieser Tage.
Ich frage mich, was das alles gerade soll.
Worum geht es eigentlich gerade?
Worum geht es eigentlich noch?

Ich erinnere mich. Zu Beginn war da dieses unbekannte Virus.
Aus China und später aus Nord-Italien kamen ängstigende Bilder und Zahlen.
Es war wichtig, das Gesundheitssystem zu entlasten, sowie Menschen mit Vorerkrankungen und Alte zu schützen. Okay. Der Lockdown schien zu diesem Zeitpunkt die einzige Möglichkeit.
Entscheidungen mussten schnell gefällt werden.
Monate später.
Wir sind glimpflich davon gekommen. Zum Glück! Lag es am Lockdown? An den Massnahmen der Regierung? Oder ist das Virus mutiert (so wie das bei Viren üblich ist) und ist nicht mehr so aggressiv? Oder lag man bei den Prognosen und Hochrechnungen so weit daneben? Unser Gesundheitssystem ist besser als das von Italien, den USA oder Brasilien. Liegt es daran? Oder doch an unserem Immunsystem? Wir wissen es nicht. Es ist schlicht nicht «wissbar», wie es ausgegangen wäre, hätten wir anders reagiert.

Ich lebe in Zürich. Wenn ich mich umschaue, dann sieht es gut aus hier bei uns. Ich geniesse den Sommer zu Hause. Der Zürichsee und sein Hauptfluss, die Limmat, sind mein zweites zu Hause geworden in dieser Hitze und bieten wunderbar kühlende Momente. Wenn ich nicht wüsste, dass wir gerade in einer Pandemie sind, dann würde ich nichts merken. Mir geht es gut. Den Menschen, die mir nah sind, geht es gut. Den Nachbarn geht es gut. Ich kenne niemanden, der infiziert ist. So ist es auch mit denen ich mich austausche. Auch da. Sie kennen niemanden. Wie bin ich froh darüber!
Gut, wir sind alle achtsam. Wir halten Abstand und waschen uns öfter die Hände. Meine Familie, z.B. sehe ich selten und wenn, dann begrüssen wir uns aus der Ferne - ohne Küsse und Umarmung. Sie möchten das so. Ansonsten geniessen wir die gemeinsame Zeit und den Sommer.

Ich bin eh nicht so der Typ, der sich in grossen Menschenansammlungen wohl fühlt. Ich geniesse es, dass die Abstände in den Freibädern grösser sind und sie weniger Menschen rein lassen. Die Gespräche übrigens, die entstehen, bevor man das Badetuch neben jemanden hinlegt, sind übrigens herzerfreuend. So freundlich, zugewandt. Es sind schon viele überraschend tolle Gespräche daraus entstanden.

Ich finde es klasse, dass Menschen im Allgemeinen achtsamer geworden sind auf der Strasse, in den Einkaufsläden, sie rücken einem nicht so auf die Pelle.
Ehrlich gesagt geniesse ich es, dass die Tische in den Restaurants etwas weiter auseinander stehen, dass alles nicht so dicht an dicht gedrängt ist.

Für die Gastrobetriebe ist es eine schwierige Zeit ist. Wie für einige andere auch. Und ja, wieder andere machen gerade das Geschäft ihres Lebens. Auch das bringt diese Zeit mit sich. Einige Krankenhäuser waren im Lockdown ausgelastet, andere wiederum vollkommen leer. Sie haben Kurzarbeit beantragt.
Da ist vor langer, langer Zeit etwas in Schieflage geraten. Es wird gerade so deutlich und klar, weil es jetzt uns betrifft.

War der Weg so alternativlos? Da ist z.B. Schweden, das sich traute, bei der ganzen Sache nicht mitzumachen und einen eigenen Weg zu gehen. Dafür haben sie Häme erhalten bzw. wurden ganz ignoriert. Unterm Strich allerdings ist die Lage in Schweden nun nicht anders als bei uns in DACH (Stand: Ende Juli 2020). Und ehrlich gesagt vergleiche ich unser Gesundheitssystem hier in der Schweiz eher mit dem von Schweden als mit dem von China, Italien oder Brasilien.
Das sind keine verschwörerischen Gedanken, sie sind auch nicht rechts oder links oder gegen etwas. Ich beobachte, denke nach und dann tauchen bei mir Fragen auf.

 

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