Blog Lucia Nirmala Schmidt

An diesem Wochenende hätte ich eigentlich in Nürnberg sein sollen für eine Einführung in die Geschichte und Praxis des Pranayama. Wir haben es abgesagt. Vor dem Lockdown im Frühling hatten sich bereits 22 Teilnehmende gemeldet, erwartet haben wir 40 in den grosszügigen Räumen. Die Unsicherheit hat zu Absagen geführt und wir haben uns entschieden, das Seminar auf Sommer 2021 zu verschieben.

Wo und wann zensieren wir uns selbst? Um dazu zu gehören, geliebt zu werden, akzeptiert zu sein? Wo und wann sagen wir nichts, aus Angst vor bösen Worten, Streit, Ausgrenzung oder Diffamierung? Oder weil wir keine Energie oder Kraft haben. Wann stehen wir nicht zu unseren Werten, unserer Überzeugung?

Was genau ist gemeint mit den „steigenden Corona-Zahlen“? Was meint die Presse, wenn sie von „steigenden Corona-Zahlen“ berichtet? Was genau wird dann verstanden? Mir scheint, dass sich die Bedeutung von „Corona-Zahlen“ seit dem Frühling geändert hat.

Es ist eine Weile her, seit ich das letzte Mal aktiv war mit eigenen Texten. Es fühlt sich an, als ob alles anders ist – und auch wieder nicht. Viele wünschen sich, dass wieder Normalität einkehren möge. Doch geht das überhaupt noch, nach all dem, was an die Oberfläche gespült worden ist? Wollen wir das noch? Vieles von dem, woran wir geglaubt haben, ist in den Grundmauern erschüttert worden...

Am 2. April habe ich in einem Post die Geschichte der blinden Gelehrten und dem Elefanten erzählt. Jeder, der ihn an einer anderen Stelle berührt hat, beschreibt ihn anders und kommt zu einem anderen Schluss über ihn. Jetzt lass uns vorstellen, dass Covid-19 und die daraus entstandene Krise, ein Elefant sei.

Ich habe früher viel mit der Presse zu tun gehabt. Ich war regelmässig im Fernsehen und habe für Zeitschriften geschrieben. Nicht nur für Fachmagazine habe ich geschrieben, sondern auch für die klassische Boulevardpresse - Shape, Brigitte, Freundin, Für Sie, Fit for Fun, Woman etc..

In einem Zustand tiefer Verbundenheit habe ich die Bedeutung der Kundalini erfahren. Die kuṇḍalinī ist ein Symbol für die kreative Lebenskraft und Lebensfreude, die durch verschiedene Traumata, die sowohl im kollektiven als auch im individuellen Bewusstsein liegen, in die Ecke gedrängt worden und dort aus Angst, Scham und Schuld versteinert.

Der Bauch weiss es sofort, aber dann kommt der Verstand ins Spiel… Kennt ihr das auch? Eine Frage, die ich mir immer stelle, wenn ich vor einer Entscheidung stehe: wird es in mir weit bei dem Gedanken?

Angst stammt vom lateinischen „angustus“ ab. Angustus heisst „eng“. Wenn jemand in der Angst ist, wird alles in ihm eng – sein Körper, sein Herz, sein Geist. Es ist genau diese Enge, die wir heute kollektiv im Feld spüren können, wenn es um die Sichtweise und Einschätzung der momentanen Lage geht. Der Platz für Andersdenkende wird immer enger, die Anfeindungen immer heftiger.

Transformationsprozesse bringen einerseits Unsicherheit und haben andererseits auch viel Prickelndes. Alles ist offen, frei. Im Yoga üben wir ja mitunter genau dafür: Freiheit zu erfahren. 💫 In Zeiten, in denen unsere kleine Welt in sich zusammenfällt und sich ein offener Raum auftut, fällt es uns oft jedoch schwer, diese Freiheit zu erkennen und uns - noch schwieriger - daran zu erfreuen.

Wenn ich mich hinein fühle, in das, was in der Gesellschaft gerade geschieht, in das, was dieses Virus bzw. alles, was drumrum kreiert wurde, aufgedeckt hat, dann ist mir eines klar: eines der grossen Heilmittel ist die Natur. Ist die Liebe zur Natur. Die Liebe zum Leben.

Ich freue mich mit all denen, die ihre Arbeit wieder aufnehmen können - wenn auch unter besonderen Bedingungen. Mir persönlich (nicht wirtschaftlich!) tat die Vollbremsung und die damit verbundene Langsamkeit gut. Ich habe mir die Zeit geschenkt, still zu sein, habe viel reflektiert und geschrieben. Mich gefragt, wie ich leben möchte und was es ist, das ich in die Welt geben möchte.

Ich habe mir in den letzten Tagen Gedanken gemacht darüber, wie Dünnhäutig viele zu sein scheinen und wie schnell sie getriggert werden. Wie wenig Spielraum für wirklichen Austausch da ist. Ein „Trigger“ ist der sogenannte „rote Knopf“. Der, bei dem du direkt in die Luft gehst. Es ist so: So lange dich etwas trifft, dann betrifft es dich auch. So lange du betroffen bist, hat es etwas mit dir zu tun.

In einem Kommentar auf einen Facebook-Post von letzter Woche wurde ich gefragt, was denn mein Lösungsvorschlag sei für das, was gegenwärtig passiert.
Ich weiss es nicht. Ich habe keine Antwort. Ich bin persönlich noch in der Orientierungsphase. Manchmal geht es einfach nicht so schnell mit Lösungen, wie wir es gerne hätten...

Dieser fast weltweite Lock-Down wird ein Katalysator für eine Vielzahl von Menschen sein, die dadurch aufgefordert werden, klarer zu werden und sich nach Innen zu wenden. Wenn du nach einer Zeit geschaut hast, um wieder Energie zu tanken, dich zu verbinden, dich um dich selbst zu kümmern – jetzt ist ein guter Zeitpunkt.

Ich hätte mir so etwas bis vor kurzem nicht vorstellen können – eine Welt, in der die äusserliche Umtriebigkeit plötzlich still steht. Eine Welt, in der sich Angst und Unsicherheit noch schneller ausbreiten, wie das Virus selbst. Die Folge sind irrationale Aussagen und Handlungen. Gegenseitiges beurteilen und verurteilen. Unser Nervensystem brennt durch.

Wir sind nicht nur Teil der Natur. Wir sind die Natur. Wir tun gut daran, uns damit zu arrangieren. „Viren wurden als Feinde deklariert und unsere Regierungen kämpfen gegen sie. Doch Viren und Bakterien haben diesen Planeten lange vor uns besiedelt. Sie sind sozusagen unsere Ahnen. Sie gehören mit zur Schöpfung.

In Deutschland bzw. Europa wird gerade intensiv über das Impfen und das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung diskutiert. Ich bin zutiefst erschüttert und fassungslos. Ich habe ein paar Tage gebraucht, um mich zu sortieren.

Aufwachen bedeutet, Verantwortung zu übernehmen für das eigene Denken und dafür, was wir in diese Welt hinein geben. covid-19 verändert gerade die Welt im Sekundentakt - nichts mehr so, wie wir es bisher kannten. Es gibt mittlerweile niemanden, den diese Situation nicht betrifft.

Es waren einmal fünf weise Gelehrte. Sie alle waren blind. Diese Gelehrten wurden von ihrem König auf eine Reise geschickt und sollten herausfinden, was ein Elefant ist. Und so machten sich die Blinden auf die Reise nach Indien.

Es ist doch so: die meisten von uns sind weder Epidemologen/innen noch Virologen/innen. Die wenigsten werden wissen, was die Kriterien für valide wissenschaftliche Studien sind oder was es für Parameter braucht, damit eine Statistik wirklich verlässlich ist. Das heisst: wir wissen schlichtweg nicht, was wirklich wahr ist von all dem, was auf uns herein prasselt.

Ich habe eine Tendenz auf Facebook erkannt, die sich in den letzten Tagen verschärft hat. Es ist die harsche Art und Weise des Umgangs miteinander, wenn jemand eine andere Meinung äussert, die nicht im Fahrwasser der gängigen Meinung daherkommt. Viele sind scheinbar so getriggert in ihrem Sicherheitsbedürfnis und in ihrer Existenzangst, dass es unerträglich, ja sogar bedrohlich ist, wenn jemand eine andere Sicht hat oder einlädt, etwas anderes auch in Betracht zu ziehen. Er wird dann zum Feind, oder sie wird zur Feindin.

Ich kann mich gut erinnern: zu Beginn der 90-er Jahre habe ich eine Ausbildung in Psychosomatischer Medizin gemacht. Mein Lehrer damals liess uns eine interessante Übung machen. Und zwar sollten wir eine kurze Präsentation vorbereiten, die ein Plädoyer für etwas sein sollte. Also eine Rede mit Argumenten z.B. für das Nicht-Rauchen, für eine Vegetarische Ernährung, für eine gewisse Partei, für irgendetwas, was uns am Herzen lag.

Ich mache nicht mit bei Meditationen, die „gegen“ etwas sind. Oder solchen, die etwas oder jemandem den „Kampf“ erklären. Gegen etwas zu kämpfen, gegen etwas zu sein sind Mechanismen, die spalten und trennen. Kampf kennen wir gut.
Wenn wir eine neue Welt kreieren möchten, tun wir gut daran, auch neue Wege zu gehen und nicht auf den alten, Trennung schaffenden und wenig nährenden Pfaden weiter zu gehen.

Ich fühle in den letzten Tagen eine noch nie dagewesene Müdigkeit. Wenn ich nicht schreibe oder meditiere/praktiziere, schlafe ich. Für mehr habe ich derzeit keine Kraft. Diese Langsamkeit hilft mir zu spüren, was meine nächsten Schritte sein werden. Sie hilft mir, ganz in meiner Wahrheit verwurzelt zu bleiben.

Der Sturm wird vergehen. Die Entscheidungen von heute werden unsere Zukunft bestimmen. Die einen haben von 100 auf 0 nichts mehr zu tun, sorgen sich um ihre Existenz und schlafen kaum. Die anderen fahren Doppelschichten, sind überfordert und schlafen kaum.

Ich weiss nicht, wie es euch geht. Mir gefällt der neu geprägte Begriff „Social Distancing“ nicht. Es hat weniger mit „gefallen“ zu tun als damit, dass ich ihn schlichtweg unpassend finde. Ich bin da vielleicht besonders sensibel, da ich Sprachwissenschaften studiert habe.

Die gesellschaftlichen Bewegungen der vergangenen Monate und Jahre haben es gezeigt: viele von uns haben sich eine Veränderung gewünscht. Viele sagten, dass es so nicht mehr weiter ginge. Die Art und Weise, wie wir mit unserer Erde umgehen: mit der Natur, den Wäldern, den Meeren, den Tieren. Mit den Kindern, den Hilfsbedürftigen, mit uns selber.

Ich wurde in den vergangenen Tagen oft gefragt, ob ich mit meinen Seminaren und Workshops jetzt online gehen werde. Von einigen Kooperationspartnern habe ich bereits Angebote bekommen und Aufforderungen, etwas zu produzieren, mit dem wir dann online gehen können.

Ich organisiere mich gerade für meine „Auszeit“ und unser BodyMindSpirit-Büro für Homeoffice. Ich bin ruhig und gut bei mir. Ich schwanke immer wieder mal zwischen Angst und Vertrauen. Zwischen Fassungslosigkeit, Mitgefühl, Ärger, Gelassenheit, Freude, Zweifel, Staunen. Ich lasse all diese Gefühle durch mich hindurch fliessen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, das, was wir die letzten Jahre praktiziert und wovon wir erzählt haben, auch zu leben.

Wir lesen täglich, wenn nicht schon fast stündlich, Schreckensbotschaften zur derzeitigen Situation, was das Corona-Virus betrifft. Ich komme aus dem staunen nicht heraus, was für eine Eigendynamik die Sache bekommt... Viele sind verunsichert, wenn nicht sogar in Angst und Panik. Wir haben Empfehlungen bekommen, was es auf einer äusseren Ebene zu tun gibt. Darum geht es in diesem Post nicht.

Corona zeigt uns, wie schnell es gehen könnte mit dem Fällen von Entscheidungen, wenn wir wirklich wollten!

Wir sehen jetzt: Staaten können schnell, unbürokratisch und transnational helfen und kommunizieren. Sie können Ausnahmeregelungen rasch umsetzen, Geld locker machen und Humanpower bereitstellen.